Beratungs- und Fortbildungsstelle für weltanschauliche und religiöse Vielfalt in Berliner Schulen

Wir beraten und begleiten Berliner Grund-, Sekundar- und Berufsschulen in der Prävention von religiös begründeter Demokratie- und Menschenrechtsfeindlichkeit und beim pädagogischen Umgang mit religiösem Mobbing, konfrontativer Religionsbekundung und islamistischer Radikalisierung.

Der DEVI e. V. bildet Lehrer*innen und Sozialpädagog*innen zu grundrechtsklaren und -kompetenten Ansprechpartner*innen aus, die in die Beratungssysteme der jeweiligen Schule eingebunden sind. Das Vorhaben nimmt sowohl die Einzelnen als auch die strukturelle Verfasstheit der Einrichtungen in den Blick. In den Schulen werden Handlungsroutinen für eine gute und transparente Präventionsarbeit installiert, zudem werden die Schulen bei der Entwicklung und Verankerung diskriminierungskritischer und demokratischer Schulkulturen begleitet. Die Beratungs- und Fortbildungsstelle bietet erstmalig Maßnahmen der Organisationsentwicklung sowie primärpräventive (Workshops für Schüler*innen), sekundärpräventive (Intervention, Qualifizierung der Kolleg*innen, Fallberatungen) sowie tertiärpräventive Maßnahmen (z. B. Elternarbeit) aus einer Hand an.

Unser Angebot für Berliner Grund-, Sekundar- und Berufsschulen

In den Berliner Schulen ist nach den Rückmeldungen von Schulleitungen und Lehrkräften eine religiös begründete Radikalisierung wahrzunehmen. Es sind insbesondere häufig Fälle konfrontativer Religionsbekundungen in den Schulen zu beobachten. Mobbing, islamistische Radikalisierung von Schüler*innen und konfrontative Religionsbekundungen sind große Herausforderungen für Lehrer*innen und Sozialpädagog*innen, aber auch für engagierte Schüler*innen und Auszubildende.

Wir machen Ihnen mit unserem Projekt folgendes Angebot, um Sie darin zu unterstützen mit diesen Herausforderungen umzugehen:

Ziel der Ausbildung ist es, das pädagogische Personal an Berliner Grund-, Sekundar- und Berufsschulen inhaltlich und pädagogisch auf die vielfältigen Themen und Konflikte in ihrer heterogenen Schüler*innenschaft vorzubereiten sowie inhaltlich und sachlich an den Bedingungen und Bedarfen der Schüler*innen angemessene Handlungsstrategien und -routinen zu entwickeln.

Die Ausbildung startet mit einer Einführung zum Thema „Abrahamitische Religionen und ihr Verhältnis zu Menschenrechten“. Für die Begriffsklärung und Differenzen zwischen Islamismus, Salafismus, Jihadismus ist es wichtig, die Entstehungszeit des Islams zu kennen. Wie sehen Radikalisierungsprozesse heutzutage bei jungen Menschen aus? Diese Frage und der Umgang mit radikalisierten Jugendlichen sind Thema einer eigenen Fortbildungsveranstaltung. Mit Übungen zu Gesprächstechniken werden die angehenden Beratungslehrer*innen durch erfahrene Expert*innen geschult und auf die spätere Beratungstätigkeit vorbereitet. Die Lehrer*innenrolle im Werte- und Kulturkonflikt sowie Grundrechtsklarheit für präventives Handeln sind unverzichtbare Themen, die bearbeitet werden müssen. So erleben wir oft in unserer praktischen Arbeit mit Schulen, dass das Grundrecht Religionsfreiheit und die staatliche Neutralitätspflicht in staatlichen Institutionen wie der Schule Konflikte verursachen können. Anhand konkreter Fallbeispiele werden Handlungsoptionen für die (Berufs-)Schulen ausgelotet und als Empfehlungen erarbeitet. Im letzten Teil der Ausbildung werden liberale Islaminterpretationen sowie das Thema Antisemitismus in Kooperation mit dem Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA e.V) behandelt. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung wird schließlich den ausgebildeten Beratungslehrer*innen für weltanschauliche und religiöse Vielfalt das Zertifikat verliehen.

Die Ausbildungsgänge zu Beratungslehrer*innen für weltanschauliche und religiöse Vielfalt stehen allen Schulformen gemeinsam offen, allerdings ist das Curriculum in einzelnen Themen für einige Schulformen an die Bedarfe angepasst. Hier werden für die betroffenen Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen gesonderte, auf ihre Bedarfe zugeschnittene Module und Inhalte angeboten, etwa mit Blick auf unterschiedliche Altersklassen der Schüler*innenschaften, unterschiedliche Bildungshorizonte oder Elternarbeit.

Unser Ziel ist, dass an jeder öffentlichen Schule in Berlin mindestens ein/e ausgebildete/r „Beratungslehrer*in für weltanschauliche und religiöse Vielfalt“ arbeitet und strukturell verbindlich in der Schule verankert ist. Nach der Ausbildung sollen die Beratungslehrer*innen in einem betreuten Netzwerk begleitet und fortgebildet werden.

In den Foren und Klassentage erhalten die Kinder und Jugendlichen Raum zur Auseinandersetzung mit der Vielfalt von Weltanschauungen und Religionen. Die Workshops stärken die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und sie fördern die Auseinandersetzung mit Demokratie und demokratischen Werten. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Stärkung von demokratischen und moralischen Kompetenzen und in der Sensibilisierung für Abwertungen, Mobbing oder Diskriminierungen. Als Methode wird hier beispielsweise mit moralischen Dilemmata gearbeitet.

Neben der Ausbildung zu Beratungslehrer*innen für weltanschauliche und religiöse Vielfalt, die in die jeweiligen schulischen Steuergruppen eingebunden sind, zielt der Projektansatz darauf,

  1. mit den Partnerschulen Handlungsroutinen in multiprofessionellen Teams für entsprechende Vorfälle zu entwickeln, sowie
  2. die Schulen bei der Entwicklung und Verankerung einer diskriminierungskritischen und demokratischen Schulkultur zu unterstützen, die präventiv gegen religiös begründete Ungleichwertigkeitsvorstellungen, religiöses Mobbing, konfrontative Religionsbekundung und islamistische Radikalisierung wirkt.

Begleitet werden die Schulen von einem multiprofessionellen Team, dessen Mitarbeiter*innen ein abgeschlossenes Hochschulstudium in erziehungs- oder sozialwissenschaftlichen Fachgebieten haben und zusätzliche Qualifikationen wie einen MA in Demokratiepädagogischer Schulentwicklung aufweisen, sowie eine Ausbildung als Coach oder einen theaterpädagogischen Hintergrund. Sie verfügen über ein ausgeprägtes Wissen von Inhalt und Methoden der Demokratiepädagogik und der Prävention von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierungen sowie über umfangreiche pädagogische Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Schüler*innen, kennen die Berliner Strukturen und haben einen guten Einblick über den aktuellen Stand der Forschung, was Schulentwicklung betrifft. Ferner besitzen sie die Fähigkeit, Gruppendynamiken auch in schwierigeren Situationen gut begleiten und steuern zu können und einen stigmatisierungsfreien Raum zu gewährleisten, in dem Positionierungen erwünscht sind. Umfangreiche Erfahrungen in Coaching, Gesprächsführungen und Projektmanagement sind vorhanden. Sie sind in der Lage, zielsicher zu kommunizieren und sich in ihrer Schulberatungstätigkeit individuell auf die jeweilige Einrichtung und Zielgruppe einzustellen.

Inhaltlich orientiert sich die Beratung von Schulen mit Blick auf Prozesse der Organisationsentwicklung an neun Themen- bzw. Arbeitsfeldern:

  1. Installation einer dauerhaft arbeitenden Gruppe von Lehrer*innen und Schüler*innen
  2. Kooperation mit Arbeitgebern und Gewerkschaften (insbesondere in den OSZen)
  3. Kooperation mit Dritten im (lokalen) Unterstützungssystem
  4. Handlungsfeld im Schulprogramm (Schwerpunkt der schulischen Steuerungsgruppe)
  5. Klare und einheitliche Regelungen im Umgang mit einschlägigen Vorfällen und Diskriminierung (Hausordnung)
  6. Regelmäßige Aktivitäten (z. B. Schule ohne Rassismus, Projekttage, Fortbildungen)
  7. Aufbau, Förderung und Begleitung einer aktiven Schüler*innen- bzw. Auszubildendenvertretung
  8. Einführung von demokratiepädagogischen Maßnahmen (Klassenrat, Audit)
  9. Einbindung der relevanten Themen in den Unterricht

DEVI e. V. gewährleistet ein Angebot für die kooperierenden Einrichtungen zur Fallberatung und -begleitung zur Entwicklung passgenauer Intervention bei akuten Konflikten sowie langfristiger pädagogischer Handlungskonzepte eng am konkreten Fall unter Einbeziehung aller schulischer Akteure und außerschulischer Hilfs- und Unterstützungsangebote für die Schüler*innen. Hier kann auf langjährige Berufserfahrung in der Arbeit mit devianten, delinquenten und radikalisierten Jugendlichen zurückgegriffen werden, darunter aus der Straffälligenhilfe, Elternarbeit, Ausstiegsbegleitung usw.

Mögliche Themen können u. a. sein:

  • Religiös konnotierte Konflikte, einschlägige Äußerungen, Diskriminierungen und Handlungen in den Schulen
  • Gewaltvorfälle in den Einrichtungen
  • Umgang mit schuldistanzierten Jugendlichen
  • Umgang mit Jugendlichen mit hohem Aggressionspotential und hoher Gewaltlatenz
  • Umgang mit straffälligen Jugendlichen
  • Reintegration haftentlassener Jugendlicher in die schulischen Strukturen
  • Beurteilung von Radikalisierungsprozessen und Entwicklung von Handlungskonzepten
  • Erarbeitung von Strategien zum Umgang mit fundamentalistischen, orthodoxen oder auch radikalisierten Elternhäusern

Der Fallberater begleitet das System Schule, das pädagogische Personal aus Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen, er hält enge Kontakte zu den außerschulischen Akteuren, etwa Polizei und Justiz, aber auch zu den Jugendämtern, sowie organisiert und moderiert bei Bedarf Helferkonferenzen unter Einbezug möglichst vieler Akteure aus den Hilfs- und Unterstützungssystem.

Diese Handlungssäule zielt auf die enge Zusammenarbeit mit anderen Berliner Schulen; bereits während der Beratungslehrer*innenausbildung lernen die Teilnehmenden Akteur*innen anderer Schulen kennen, profitieren von Erfahrungen und Perspektiven in anderen Umfeldern und es öffnen sich Möglichkeiten zum kollegialen Austausch. Die Beratungs- und Fortbildungsstelle für weltanschauliche und religiöse Vielfalt in Berliner Schulen erhält das Beratungslehrer*innen-Netzwerk aufrecht mit regelmäßigen Treffen, Fortbildungsangeboten, Fachtagen, Diskussionsveranstaltungen und interner Kommunikation (Mailings etc.)

Ferner wird die enge Vernetzung und Zusammenarbeit mit vor- und außerschulischen Akteur*innen aus den unmittelbaren (lokalen) Lebensumfeldern der Schüler*innen angestrebt, etwa zu Kindertagesstätten zur Verbesserung der Gestaltung des Übergangs Kita-Schule, anderen Schulen beim Wechsel in andere Schulformen sowie, worauf insbesondere in Grund- und Sekundarschulen Wert gelegt werden muss, zur Verbesserung des Kontaktes zu und der Arbeit mit den Elternhäusern, gedacht ist hier bspw. an migrantische (Selbsthilfe)Organisationen, Sportvereine, Hilfs- und Unterstützungsangebote zur Verbesserung der schulischen Leistungen, aber auch offene Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit usw. . Auch hier sind die wenigsten Akteur*innen auf die Auseinandersetzung mit religiös begründeten Ungleichwertigkeitsvorstellungen, religiösem Mobbing, konfrontativer Religionsbekundung und islamistischer Radikalisierung vorbereitet. Entsprechend kann die Ausgestaltung der Kooperationen und Vernetzung in diesen Themenfeldern von Kolleg*innen des DEVI e. V. moderiert und begleitet werden.

Und schließlich soll die Vernetzung zu außerschulischen Hilfs- und Unterstützungssystemen in den zur Rede stehenden Themen- und Arbeitsfeldern ausgebaut und vertieft werden.

Anmeldung zur Fortbildungsreihe

Es findet im Schuljahr 2020/2021 ein Ausbildungsgang mit neun Fortbildungstagen und zwei *Netzwerktreffen statt. Die Fortbildungsreihe startet voraussichtlich am 05. Oktober 2020 mit einer Auftaktveranstaltung.  Aufgrund der aktuellen Restriktionen finden unsere Veranstaltungen zunächst in Form von Online-Seminaren statt. Falls wir doch eine Präsenzveranstaltung durchführen können, informieren wir Sie rechtzeitig.

  1. Termin: Auftaktveranstaltung voraussichtlich am 05. Oktober 2020
    Kurzvorträg „Pädagogik in unfriedlicheren Zeiten“
    Transfer zum Schulalltag und Fallsammlung
  2. Termin am 04. November 2020
    Vortrag „Die abrahamitischen Religionen und ihr Verhältnis zu Menschenrechten“
    Vorstellung des Interventions- und Handlungsmodells für (Berufs-)Schulen
  3. Termin am 07. Dezember 2020
    Lehrerrolle im Werte- und Kulturkonflikt
  4. Termin am 21. Januar 2021
    Radikalisierungsmodelle & Umgang mit radikalisierten Jugendlichen
    Übung von Gesprächstechniken
  5. Termin am 22. Februar 2021
    Vortrag „Salafismus und Dschihadismus in Deutschland – Anziehungskraft, Rekrutierung und Narrative“
    Bearbeitung von religiös-kulturellen Konfliktfällen in der Schule (Fallarbeit)
  6. Termin am 23. März 2021
    Liberale Islaminterpretationen
    Arbeit mit den 9 Handlungsfeldern
  7. Termin am 22. April 2021
    Prävention von Antisemitismus und antisemitischer Belästigung, Bedrohung und Drangsalierung
  8. Termin am 19. Mai 2021
    Grundrechtsklarheit für präventives Handeln
  9. Termin am 15. Juni 2021
    Abschlussveranstaltung
    Präsentation Praxisprojekt

Pro (Berufs-)Schule können jeweils bis zu drei Personen an der Fortbildung teilnehmen, wovon eine Person nach Abschluss der Fortbildung strukturell verbindlich in das Beratungssystem der Schule eingebunden wird. Die Durchführung und Präsentation eines Praxisprojektes sind fester Bestandteil der Fortbildungsreihe.

Anmeldungen per E-Mail an Gülcan Coşkun: guelcan.coskun@devi.berlin möglich bis zum 28. September 2020 mit Ihren Angaben (Name, Vorname, Name Schule, E-Mail, Tel.). Wir melden uns nach Erhalt Ihrer Anmeldung, um ein Vorgespräch mit Ihnen und Ihrer Schulleitung zu organisieren. Für telefonische Nachfragen melden Sie sich gerne unter Tel. 030 4759 5641.

Flyer: Fortbildungsreihe “Grundschulen für weltanschauliche und religiöse Vielfalt”

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Flyer: Fortbildungsreihe “Berliner (Berufs-)Schulen für weltanschauliche und religiöse Vielfalt”

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Beschreibung Klassentag

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